Bass-Lösung für T4 ohne Klima und ohne Tür-Lautsprecher

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Bass-Lösung für T4 ohne Klima und ohne Tür-Lautsprecher (Michamatik)

Sorry, sehr viel Text!

Hallo, was vor einigen Monaten HIER schon mal theoretisch begann, soll nun hier für die Umsetzung in der Praxis beschrieben werden.

Das Problem:

Der T4 in einfacherer Ausführung (Transporter, Kombi, etc.) besitzt ab Werk nur Einbau-Plätze für 10cm-Lautsprecher im Armaturenbrett. Der Klang, den selbst hochwertigere Systeme als die Werksausstattung abstrahlen, ist naturgemäß ein wenig dünne, von Bass ist da nicht viel zu hören. Für Abhilfe lässt sich durch Einbau serienmäßiger Türablagefächer der besseren Caravelle- & Multivan-Versionen sorgen, die Platz für 16cm-Lautsprecher schaffen. Diese sind ne deutliche Verbesserung, aber leicht nach unten abgewinkelt, also klanglich auch nicht das Nonplusultra. Zudem sind die Teile für etwa 100€ beim VW-Händler zu bezahlen, da sind dann auch noch keine Lautsprecher dabei. Meine Lösung wird am Ende vermutlich höchstens 70€ Material (Lautsprecher, Holz, Bezugsstoff, etc.) verschlingen. Beim Trapo mit Beifahrer-Doppelsitzbank hat man aber das Problem, daß seitlich nicht genügend Platz ist, um an der Beifahrertürverkleidung diese große Ablage zu montieren.

Meine Lösung:

Von der Firma MacAudio gibt es einen kleinen, aktiven Gehäuse-Sub-Woofer namens Compact 220, der mich beim Hören in einem Mittelklasse-Fahrzeug schon mal beeindruckt hat. Dieser ist von der Form her leider nicht so gut für den Einsatz vorne im T4 geeignet. Bei Ebay hab ich irgendwann eine Auktion gefunden, wo der darin verbaute 20cm-Lautsprecher zum Startpreis von 9.99€ angeboten wurde (sonst bietet ihn der Verkäufer z.B. hier für ca. 30€ Sofort-Kauf an). Die Auktion habe ich gewonnen, so stand dem Bau eines Paßform-Gehäsuses nichts mehr im Wege.

Ein Einbauort war schnell lokalisiert: unter dem Armaturenbrett im Fußraum vor dem Schalthebel. Daher ist diese Lösung auch nur für T4 OHNE Klimaanlage geeignet, da sonst dort nicht genügend Platz ist. Die winklige Plastikverkleidung, die die Heizluft nach unten verteilt sowie die schmale Plastikblende darüber müssen weichen. Zum Einbau ist es auch einfacher, wenn das Handschuhfach ausgebaut wird.

Werkzeuge & Knowhow:

Ich bin kein gelernter Schreiner, muss aber auch nicht gleich einen zu Hilfe rufen, wenn z.B. ne Küchenspüle in ner Arbeitsplatte versenkt werden soll. Wer selbst davor zurückschreckt bzw. das nötige Werkzeug nicht hat, sollte den Bau der Box lieber doch von jemand anderem erledigen lassen. Aber sooo kompliziert isses wirklich nicht. Ich besitze eine Stichsäge von Quelle, eine Kreissäge (winkelverstellbar) von Aldi, Winkelschleifer und Delta-Schleifer sind auch billige Ausführungen, meine Werkbank ist ein zusammenklappbares Modell und mein Arbeitsplatz draußen neben der Garage. Was solls?

Neben diesem Lautsprecher (nur für den ist dieses Gehäuse konzipiert, es mag zufällig andere Modelle geben, die hier auch anständig klingen, aber das wäre sppekulativ und darum gehe ich hier nicht auf andere Lautsprecher ein) ist natürlich Holz zu kaufen. Meine Konstruktion besteht aus 19mm MDF (Mitteldichte Faserplatte), das ist das selbe Zeug aus dem Möbelrückwände bestehen, nur wesentlich dicker.

Die Einkaufsliste ist dem Bild 1 zu entnehmen. Wer im Baumarkt sein Holz kauft, sollte als erstes nach den Zuschnitt-Mindest-Maßen fragen. Mancherorts werden die Arbeitssicherheitsvorschriften mittlerweile dermaßen ernst genommen, daß nur noch Schnitte ab 30cm ausgeführt werden? Dann sollte man lieber gleich woanders kaufen, weil sonst Teile fehlen würden. Zudem werden meist nur rechtwinklige Schnitte durchgeführt, keine schrägen Schnitte oder gar Gehrungen, und wenn, dann meist nur gegen Aufpreis.

Ich habe mir nur die Außenmaße sägen lassen, die schrägen Schnitte selber gesägt und mich bei den Gehrungen rangetastet. Die hier vorgegebenen Winkel sind vom fertigen Gehäuse abgenommen und stimmen annähernd, etwas Anpassungsarbeiten sind trotzdem einzuplanen, auch werden beim fertigen Gehäuse ein paar Kanten überstehen, die dann abgeschliffen werden müssen.


Beginnen wir mit Teil A, dem Oberteil. Es ist 35cm lang und 10,5cm breit. An einer Längskante, die später mit der Rückwand verbunden wird, muss eine Gehrung von 70° angeschliffen oder angesägt werden. Die Außenseite wird dann etwa 10cm breit sein, innen sollen die 10,5cm erhalten bleiben. Der weiterhin rechtwinklige Teil wird von hinten an der Vorderplatte befestigt.

Die Vorderseite kauft man, wenn man die schrägen Schnitte selber sägt, im Format 35x39cm. An einem Ende der 39cm langen Platte wird die Breite dann von 35 auf 28cm verkleinert, also pro Seite 3,5cm markieren und einen Keil absägen. In die Frontplatte muss dann noch ein rundes Loch für den Lautsprecher gesägt werden, ich hab bei meiner Stichsäge einen Kreisschneide-Aufsatz dabei, zur Not kann man den Ausschnitt auch mit ner Laubsäge erledigen. Der Durchmesser des Ausschnittes hängt davon ab, ob der Lautsprecher von aussen, von innen oder versenkt angeschraubt werden soll. Ein Profi würde zum Versenken einen Absatz fräsen. Ich habe für den Lautsprecher einen separaten Ring gesägt und diesen von innen an die Vorderplatte geklebt. So wird mein Lautsprecher von außen versenkt verschraubt.

An die 35cm-Kante der Vorderplatte wird von hinten im rechten Winkel das Oberteil befestigt. Dies ist dann leider auch der einzige rechte Winkel am Gehäuse, da ich den zur Verfügung stehenden Raum im Fahrzeug optimal ausnutzen wollte.

Nun würde ich die Seitenteile zurecht sägen, die ich beim Musterbau als letztes gefertigt habe. Diese werden versenkt eingebaut, daher hatte ich mir die Maße während des Baus ermittelt. Einfacher ist es aber für die Montage, wenn man sie vorfertigt und gleich miteinbaut, bevor es an Rückwand und Bodenplatte geht.

Man besorge sich 2 Platten in den Maßen 19x35cm. An einem Ende der 35cm wird ein Keil im Winkel von 30° abgesägt. An der 19cm-Seite wird bei 10,5cm eine Markierung gesetzt und diese verbunden mit der nach dem Sägen neu hinzugekommenen Ecke (die beim Sägen des 30°-Keils im vorigen Schritt entstanden ist, weiß nicht, wie ich es besser beschreiben soll). Entlang dieser Linie wird ein weiterer Keil abgesägt. Dies bitte bei beiden Seitenteilen so machen.

Dann kann man die Seitenteile auch schon von hinten an der Vorderplatte befestigen. Zwischen Oberteil und Seitenteilen wird innen eine keilförmige Lücke bleiben, die man mit Holzleim auffüllen oder verspachteln kann.

Als Nächstes folgt die Bodenplatte. Ausgehend von einer Platte mit den Maßen 23x30cm verjüngt man ein 30cm-Kante auf 28cm, also pro Seite 1cm abmessen und wie bei der Vorderseite nen Keil absägen. Nun müssen an Vorder-und Hinterkante Gehrungen gesägt oder geschliffen werden. An der 28cm langen Vorderkante eine Gehrung von 60° und an der 30cm langen Hinterkante eine von ca. 80°. Die Platte kann dann mit Vorder- und Seitenteilen verbunden werden.

Als Letztes Teil folgt dann die Rückwand. Ausgehend von einer Platte von 29x35cm müssen auch hier wieder 2 Keile abgesägt werden, so daß eine 35cm-Kante nur noch 30cm breit ist. Anschließend kann man die Rückwand dann mit dem Restgehäuse verbinden.

Mit Absicht habe ich im Text immer nur Verbinden oder Befestigen geschrieben. Wie man das macht, ist den persönlichen Vorlieben oder Fähigkeiten überlassen. Mein Gehäuse sollte der Prototyp werden, um auszuprobieren, wie das Ganze überhaupt klingt. Daher habe ich fast nur verklebt bzw. mit wenigen Schrauben beim Verkleben fixiert. Mann könnte auch mit Holzdübeln oder profimäßig mit Lamellokeksen verbinden. Wie gesagt, jeder so, wie er kann oder mag. Meine verklebte Version scheint aber auszureichen, habe jedenfalls beim Probebetrieb an ner Radioendstufe kein Dröhnen vernommen. Allerdings ist meine Kiste von innen noch mit Bitumen aus dem Dachdecker-Bedarf ausgeschmiert, eine Kartusche reicht für die Innenkanten und die größeren Flächen.

Nochmal zum Klang: Der Unterschied zum reinen Musikhören aus 10cm-Lautsprechern ist schon enorm, ein Vergleich zu nem 16er-System darf schon sein. Allerdings tendiert der einzelne 20er schon eher in Richtung Tiefbass, liefert also genau den Grundton-Bereich, der bei den 10ern fehlt. Dafür fehlen ihm halt die Höhen. Und Kickbass ist auch wenig zu spüren, aber das ist bei vielen 16er-Systemen so, dafür gibt es ja seit geraumer Zeit separate Kick-Bass-Lautsprecher. Aber das war auch nicht mein Ziel. Ich wollte meine Armaturenbrett-10er im Bass ergänzen und Aufwand und Kosten im Rahmen halten! Mission erfüllt!

Beim Bau wird sicher an einigen Stellen mal ein Spalt klaffen, sorry dafür. Hier ist dann abzuwägen, ob man diesen zuspachtelt oder die Teile durch Schleifen passend macht. Wenn jemand dieses Lautsprechergehäuse nachbaut und dabei feststellt, daß einige Maße so überhaupt nicht funktionieren, so bitte ich um kurzen Hinweis, dann ändere ich das hier. Ich selber habe zweimal Holz nachgekauft, das eine Mal musste es sein, beim zweiten Mal war es der Optik wegen. Ist aber nicht so teuer mit MDF.

Das letzte Bild zeigt das Gehäuse in der Rohbau-Phase, um zu prüfen, ob die Lenkung am Gehäuse schleift, was nicht der Fall war. Mittlerweile ist das Gehäuse soweit fertig, der Lautsprecher wurde gestern probeweise eingebaut, um ne Hörprobe vorzunehmen, die zur Zufriedenheit ausfiel. Danach habe ich noch sämtlich Überhänge verschliffen und alle Kanten abgerundet. Nun muss ich mir geeignetes Bezugsmaterial (Akustik-Stoff) besorgen, dann gehts weiter. Denkbar wäre auch lackieren oder gleich der Bau aus schwarz-eingefärbtem MDF. Das gibts aber nicht überall und außerdem isses sehr teuer, das wäre beim Prototypenbau Geldverschwendung. Ich berichte weiter.

Als Antrieb ist ein 4-Kanal-Verstärker für die 10er und den 20er vorgesehen, reichen würde aber auch die Radioendstufe. Dieser Gehäuse-Vorschlag soll nur die Bass-Grundversorgung im Trapo darstellen. Ich fahre einen Kombi ohne Trennwand, daher sind noch weitere Basslautsprecher möglich und auch geplant. In nem Trapo mit dachhoher Trennwand isses damit schwieriger.

SubMitteKonsole1.jpg
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Hier noch der Abschluss.

Das Gehäuse habe ich vorne und an den Seiten mit speziellem Akustikstoff bezogen, das ist im Prinzip Filz in einer dickeren Qualität. Habe bei Ih-Bäääh für 1,5m² grauen Filz, eine Dose Flüssigklebstoff und Versand gut 20€ bezahlt. Mit dem Material hätte ich mindestens zwei Kisten beziehen können. Man hätte auch das ganze Gehäuse beziehen können, aber erstens wäre das bei der Form nicht ganz einfach gewesen und außerdem sieht man von Unter- und Rückseite eh nix. Im Auto ist mir dann aufgefallen, daß das gewählte Grau leider etwas blaustichig ist und so überhaupt nicht zum Innenraum des T4 passt. Mal sehen, vielleicht färbe ich den Stoff mit Textilfarbe noch etwas nach. Dann habe ich den Lautsprecher samt Schutzgitter montiert und das Gehäuse im Auto verschraubt. Hatte noch kleine Blechwinkel von irgendeiner Bastelarbeit übrig, mit denen ich die Box nun oben an den Punkten verschrauben konnte, wo sonst der schmale Teil der zweiteiligen Verkleidung sitzt, die unterhalb des Armaturenbretts anschließt. Außerdem nutzte ich die beiden unteren, seitlichen Verschraubungspunkte des Größeren dieser beiden Verkleidungsteile. Dazu nahm ich zwei flache L-Winkel zu Hilfe, werde diese aber noch gegen größere Exemplare tauschen. Dann konnte ich auch wieder das Handschuhfach montieren. Und so sieht das Ganze fertig aus:

Viel Spaß beim Nachbau