OBD Übersicht

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OBD: eine kurze Übersicht (rafael_r)

Ich habe nach einer preisgünstigen Variante gesucht, um per Diagnoseschnittstelle auf das Motorsteuergerät zuzugreifen. Die Motivation dazu war die Suche nach einer Möglichkeit zum Auslesen des Fehlerspeichers und insbesondere zum Einstellen des Förderbeginns am TDI (Funktion Grundeinstellung).

Ich versuche hier mit einer kleinen Übersicht die Informationen, die ich dafür gesammelt habe, zusammenzufassen und dabei meine Lösung zu erklären. Die Informationen sind im Internet bereits vorhanden (an dieser Stelle ist die sehr umfangreiche Seite www.blafusel.de zu erwähnen, von der ich einen grossen Teil meiner Informationen bezogen habe), ich hätte mich aber über eine Zusammenfassung in dieser Art gefreut, um schneller ans Ziel zu kommen.

Vorab möchte ich noch erwähnen, dass das keinesfalls als Konkurrenz oder Alternative für professionelle Lösungen betrachtet werden soll. Meiner Meinung nach sind diese auf jeden Fall sinnvoll (und ihren Preis wert), wenn man täglich damit arbeitet und sich nicht mit Problemen rumschlagen möchte.

Grundsätzlich braucht man für das oben geschilderte Vorhaben einen Laptop, ein Interface und die passende Software. Die Kommunikation erfolgt über die K- und L-Leitungen der Diagnoseschnittstelle. Der in moderneren Fahrzeugen verwendete CAN-Bus ist nicht Thema. Nach meinem Verständnis ist die Art der Datenübertragung sowie das Auslesen von Fehlern und einigen allgemeinen Informationen genormt. Die Norm erlaubt dem Hersteller aber auch eigene Daten und Funktionen, was entsprechend herstellerspezifische Software erfordert.


Interface

Es gibt grundlegend zwei Varianten von Interfaces, die als "dumme" bzw. "intelligente" Interfaces bezeichnet werden.

dumme Interfaces Diese Art von Interface ermöglicht lediglich dem PC die Ausgabe der passenden Signale, was mit relativ simplen elektronischen Schaltungen möglich ist. Die Kommunikation muss in der Software umgesetzt werden. Die Kommunikation verlangt zeitkritische Signale am Interface, was das grosse Problem dieser Methode darstellt. Es ist nur bedingt möglich, zeitkritische Signale in einer Anwendungs-Software zu erzeugen, da durch das Betriebssystem und verschiedene Treiber unbekannte/variable Verzögerungen auftreten. Da es sich bei der Kommunikation um relativ langsame Signale handelt, ist es zwar möglich, aber die Kommunikation ist teilweise instabil oder kommt auf gewissen System gar nicht zu Stande. Dies hat dann auch einige Hersteller dazu bewogen, "intelligente" Interfaces zu entwickeln. Der grosse Vorteil der "dummen" Interfaces ist der unschlagbar günstige Preis. Sie sind bei Ebay teilweise unter 10€ erhältlich.

Als Beispiel für die Kategorie der "dummen" Interfaces möchte ich hier das K²L901 USB-KKL-Interface von blafusel.de erwähnen, wie ich es auch in meinen Tests verwendet habe. Zur Installation empfehle ich dringend das Handbuch zum Interface, da eine spezielle Treiberversion verwendet und einige Einstellungen gemacht werden müssen. Das liegt aber nicht am K²L901 selbst sondern daran, dass die Erzeugung der zeitkritischen Signale nur als Murks möglich ist und daher solche Details wichtig sind.

intelligente Interfaces Um die Probleme der zeitkritischen Kommunikation besser zu beherrschen hat man "intelligente" Interfaces entwickelt. Hier besitzt das Interface einen Chip, der die Kommunikation mit den Steuergeräten übernimmt. Das "intelligente" Interface arbeitet als Übersetzter und kommuniziert mit den Steuergeräten, während es mit dem PC in einer für ihn bequemeren (nicht mehr zeitkritischen) Sprache spricht. Diese Variante erfordert zwar teurere Interfaces, macht aber die Kommunikation weitaus stabiler. Für professionelle Hersteller sind "intelligente" Interfaces zudem interessant, weil sie das Interface und die Software in einer eigenen Sprache sprechen lassen können, was ein simpler Nachbau der Interfaces verhindert.

Als Beispiel für die Kategorie der "intelligenten" Interfaces nenne ich das ELM-Interface (basierend auf dem ELM327). Hier übernimmt ein kleiner Chip die oben genannte Funktion. Allerdings implementiert dieser Chip nur die allgemeinen Funktionen des Protokolls, was keine VW-spezifischen Diagnosen zulässt. Für das oben gesteckte Ziel heisst das, Fehler auslesen/löschen sollte möglich sein, Förderbeginn einstellen allerdings nicht.

Ein weiteres Beispiel ist das WHB-Diag Pro von Blafusel.de. Auch hier übernimmt ein kleiner Mikrocontroller die Kommunikation mit dem Steuergerät, so dass sich der PC nicht um zeitkritische Signale kümmern muss. WHB-Diag Pro unterstützt aber auch VW-spezifische Funktionen und ermöglicht so auch den für den Förderbeginn nötigen "Grundeinstellung"-Modus.


Software

Da ich wie bereits erwähnt ein "dummes" Interface getestet habe, beschreibe ich hier nur Programme für diese Art von Interfaces und erwähne die Variante für "intelligente" Interfaces höchstens am Rande.


Carport

Carport scheint eine relativ junge Entwicklung zu sein. Eine Basisversion ist bereits käuflich erhältlich. Eine Pro-Version befindet sich im Beta-Stadium. Die Software arbeitet sowohl mit "dummen" wie auch einigen "intelligenten" Interfaces. Ich habe lediglich die Demo-Version mit dem K²L901-Interface getestet. Die Software wirkt sehr modern und benutzerfreundlich. Das verwendete Interface wird automatisch erkannt und funktionierte auf Anhieb. Die Demoversion ermöglicht lediglich das Auslesen (nicht Löschen) des Fehlerspeichers und zeigt beispielhaft die ersten zwei Messwertblöcke. Die käufliche Basisversion kann Fehler löschen, alle Messwertblöcke anzeigen und Codierungen vornehmen. Für das Einstellen des Förderbeginns wäre aber die Pro-Version nötig. Solange die Pro-Version noch in der Entwicklung ist, erhält man mit dem Kauf der Basisversion auch Zugang zur Vorabversion der Pro-Version. @Sahnepaul: schreibt, dass er so erfolgreich den Förderbeginn ausgelesen hat: ACV: Förderbeginn 103 - gibt es Erfolge?


WHB-Diag

WHB-Diag ist eine freie Software von Blafusel.de. Es gibt eine ältere Version für "dumme" Interfaces und eine neuere Version für das "intelligente" WHB-Diag Pro Interface. Die Software kann Fehler auslesen/löschen, Messwertblöcke anzeigen und Codierungen vornehmen. Die für den Förderbeginn benötigte Grundeinstellung ist aber leider nur in der neueren Version mit dem "intelligenten" Interface möglich. Die Software hat bei mir mit dem K²L901 erst im zweiten Anlauf funktioniert, nachdem ich in der Einstellungsdatei die Übertragungsgeschwindigkeit auf 9600baud/s beschränkt habe. @Bensmann: schreibt, dass er damit erfolgreich die GRA freigeschaltet hat: UPDATE! GRA eingebaut, womit freischalten (jetzt selber freigeschaltet!)...


VCDS-Light

Ross-Tech war wohl Pionier bei der Entwicklung einer alternativen Diagnosesoftware für VW-Fahrzeuge. VCDS-Light ist die ältere (nicht mehr weiterentwickelte) Version, die für "dumme" Interfaces programmiert wurde. Inzwischen verwendet Ross-Tech mit VCDS auch ein "intelligentes" Interface. VCDS-Light bietet aber ziemlich umfangreiche Funktionen, die auch Auslesen/Löschen des Fehlerspeichers, Anzeigen von Messwertblöcken, Codierungen und Grundeinstellung enthalten. In der von mir getesteten Demo-Version ist allerdings nur das Auslesen und Löschen des Fehlerspeichers möglich. VCDS-Light hat mit dem K²L901 auch erst nach dem Einstellen der Übertragungsgeschwindigkeit auf 9600baud/s funktioniert.


Audi-VWTool

Auf der Seite von Blafusel.de habe ich einen Hinweis auf das Audi-VWTool entdeckt. Eine offizielle Homepage dazu habe ich nicht gefunden. Google liefert aber Links, die die Software als Freeware zum Download anbieten. Die Software ist ziemlich alt und verhält sich auch dem entsprechend. Ich musste einen alten XP-Rechner ausgraben, damit ich die Software installieren konnte. Audi-VWTool arbeitet mit "dummen" Interfaces und hat mit meinem K²L901 auf Anhieb funktioniert. Es bietet Funktionen zum Auslesen/Löschen des Fehlerspeichers, Anzeigen von Messwertblöcken, Codierungen und Grundeinstellung. Das Einstellen des Förderbeginns sollte somit möglich sein. Ich konnte am ACV die Grundeinstellung aktivieren (Vorglühleuchte blinkt) habe aber keine Vergleichsmöglichkeit, ob da auch die richtigen Werte angezeigt werden (ich vermute aber ja).


Somit bin ich an meinem Ziel angelangt. Das Auslesen des Förderbeginns ist mit dem K²L901 und dem Audi-VWTool möglich. Für das einfache Fehlerauslesen würde ich eine Demo-Version der anderen Programme bevorzugen, da die deutlich komfortabler waren. Allerdings hatte ich das K²L901 bereits gekauft bevor ich mich eingehender mit dem Thema beschäftigte, ansonsten würde ich mir jetzt überlegen, ob ich mir stattdessen ein WHB-Diag Pro Interface löten würde.


Korrekturen und Verbesserungsvorschläge sind sehr willkommen, damit der Beitrag auch den Sinn einer kurzen Übersicht des Themas erfüllen kann.

Gruß Rafael