Reisetagebuch Rumänien

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Reisetagebuch einer Rumänien Reise (TravelT4)

Einleitung

Hallo,

in Vorbereitung zu meinem Rumänien-Urlaub, bin ich immer wieder auf Vorurteile und Meinungen gestoßen, die dem Land nicht wirklich schmeicheln. Im Land selbst, bestätigte sich keines von diesen Vorurteilen. Ganz im Gegenteil!! Ich habe dieses Land als sehr frei, schön und besuchenswert erlebt. Aus diesem Grund möchte ich hier mein Reisetagebuch veröffentlichen, welches die Reise durch Rumänien darstellt. Mir ist natürlich klar, dass nicht jeder so reisen möchte wie ich, aber vielleicht ist auch die ein oder andere Anregung für Leute dabei, die einen Campingplatz oder Hotels bevorzugen.

Viel Spaß beim Lesen.

07.07.2011

Heute ging es los. Die Fahrt nach Rumänien begann 7 Stunden verspätet. Und das, wo ich doch in Arad, der ersten rumänischen Stadt hinter der Grenze zu Ungarn, verabredet bin. Aber es war einfach noch zu viel zu tun, z.B. Auto packen und Navi updaten, was bei einem Garmin, immer ein furchtbar aufwändiges unterfangen ist und das ich selbst, nie hinbekomme. Gleich 3 Mitarbeiter von „Globetrotter“ und auch 3 verschiedene Rechner waren nötig, um meinem Navi beizubringen, wie die Straßen in Rumänien heißen. Aber nach „nur“ 4 Stunden war auch das geschafft.

Auch beruflich waren noch viele Sachen zu tun und sind zum Teil noch nicht getan.

Aber jetzt bin ich erst mal unterwegs, immer der A3 entlang, die trotz vorgerückter Stunde, erschreckend voll ist und mit unzähligen Baustellen zu versuchen scheint, alle am Fortkommen zu hindern. Auch dass es immer wieder regnet, macht das Ganze nicht gerade zu einem Ritt in den Sonnenuntergang. Aber ich freu mich trotzdem auf die Reise.

Ich habe mich dazu gezwungen bis ein Uhr Nachts zu fahren. Dann wurde die Müdigkeit zu groß und ich bin von der Bahn ab, um ein ruhiges Plätzchen an einem Kornfeld zu finden. Nur noch schlafen. Morgen sind es noch 950 Km von 1400, bis zum Treffpunkt in Arad. Und ich muss ja auch noch diesen Bericht schreiben, für den einen Händler und den anderen für die Versicherung. Das mache ich morgen. Ich bin ja noch in Deutschland und kann das noch per Mail verschicken.

Erster Übernachtungsplatz. Wofür wir in Deutschland alles Schilder brauchen (wertvoller Steingarten für Kleintiere)

08.07.2011

Gut geschlafen. Es ist 7:30 Uhr, als ich aufgewacht bin. Das erste Mal in meinem Leben beginne ich ein Tagebuch zu schreiben, dieses hier. Und das, wo ich doch noch die beiden anderen Sachen schreiben muss. Das mache ich jetzt erst mal.

Den ganzen Mist mit dem Schreibkram hatte ich schnell weg gearbeitet. Bin dann noch in Regensburg etwas einkaufen gegangen und auch zu Mc Donalds aufs Klo. Und wenn man schon mal da ist, kann man ja auch gleich Frühstück kaufen und damit auch gleich die Garantie, auf einen Vormittag mit Sodbrennen. Zurück auf die Bahn, Rumänien entgegen. Es regnet, die Dunstwolken steigen, wie aus Kaminen ausgestoßen, aus dem Bayrischen Wald auf. Da ist auch schon Österreich. Die Wegelagerer-Gebühr bezahlt, noch schnell den Tank so voll, dass er bis Rumänien reicht.

Die sind teuer geworden in Ösiland, 1,31€. In Köln hatte ich 1,32€ für den Liter Diesel gezahlt. Ich amüsiere mich noch über die Panikmache auf Ö3, weil da ja ein Horrorstau auf der A4 sei. 7 Km und steigend. Für so was wird in Köln und im Ruhrgebiet, zu Stoßzeiten, nicht mal mehr 'ne Durchsage gemacht. Und natürlich, plötzlich steh ich drin in diesem Stau.

Nach ca. 30 Minuten steht da ein Saab 95 auf dem rechten Fahrtstreifen und qualmt. Alle Autos fahren über den Standstreifen an Ihm vorbei. Ich buxiere mich vor Ihn und packe mein Abschleppseil aus. „Los, ich häng Sie an und zieh Sie erst mal von der Straße.“ Keine Reaktion, der Herr Geschäftsmann telefoniert. „Hallo, haben Sie Ihre Abschleppöse, ich zieh Sie hier weg.“ Der Mann steigt aus und telefoniert weiter. Im Kofferraum kramend, kann er sich nur ein kurzes „I koon die Ösen neet finden“ rauswürgen. Ich sehe selbst nach, finde aber auch nix. „Dann lassen Sie und das Auto wenigstens auf den Standstreifen schieben.“ Sag ich und sehe, das sich sein Kühlwasser unter dem Auto verteilt hat. Eigentlich kann man so ein Auto die 5 Meter auf den Standstreifen noch fahren. Nach Klopfen an die Scheibe, Herr Geschäftsmann sitzt mittlerweile wieder im Auto, „Hallo, lassen Sie uns doch mal schnell das Auto von der Straße schieben.“ Nur die mitleidige Antwort des Fahrers: „Sie, i hoob die Rettung om Apparat.“ Ich: „Hallo, die Rettung steht vor Ihnen, Sie müssten sich nur mal helfen lassen!“ Keine Reaktion, der Herr telefoniert. Ich steig ein und fahre weiter.

Auch in Ungarn dann noch mal ein Stau und ich merke, fast 1000 Km am Stück, sind mir für einen Urlaubsbeginn deutlich zu viel. Alles viel zu unentspannt.

Kurz vor Rumänien geht mein Telefon. Es ist mittlerweile fast 21 Uhr Deutscher Zeit. Der Kollege, mit dem ich mich treffen wollte, ruft an. Er eröffnet mir, dass Sie nicht in Arad sind, sondern 70 Km hinter Arad. Die sind mit Ihren Mopeds da hin gefahren und jetzt so abgekämpft, dass es unmöglich sei, nach Arad zurück zu fahren. Ich solle doch da hinkommen. Also den Dorfnamen ins Navi eingegeben und los. Allerdings sind es keine 70 Km, sondern 120. Rumänien ist eine Stunde vor (Zeitverschiebung), also wird es gerade dunkel, als ich an der Grenze zu Rumänien bin.

Überall kann man lesen, dass man besser nicht im Dunkeln durch Rumänien fährt. Und nun kann ich bestätigen, das macht man wirklich besser nicht. Das Navi schickt mich üble Schlaglochpisten durch stockfinstere Nacht. Ich bin nur heilfroh, den Zusatzscheinwerfer auf dem Dach zu haben. Das wäre was geworden, mit den Funzeln, die da Hauptscheinwerfer genannt werden.

Nachts um 23 Uhr komm ich in das Kaff und rumple über ganz frisch aufgebrachten Schotter, die Straße lang. Weit und breit keine Kirche zu sehen, an der ich rechts den Berg hoch soll, um an das Haus zu kommen, in dem die Typen sind. Als der Ort hinter mir liegt, dreh ich wütend um und überlege mir schon, einen Übernachtungsplatz zu suchen, als eine Taschenlampe aufblitzt. Angelockt von dem ungewöhnlichen Licht meines Zusatzscheinwerfers, sind die Leute mit denen ich mich treffen wollte, auf die Straße geeilt und haben mich abgepasst. Ich bekomme was zu Essen und ein Bett. Gott sei dank, der Tag ist vorbei.

09.07.2011

Wir haben lange geschlafen. Konni hat sich einen Spruch bei mir abgeholt, für die Scheiß-Aktion, die er da abgeliefert hat, mich da durch die Nacht zu schicken. Es gab ein schönes Frühstück. Alles ist gut. Die angekündigte Kirche entpuppt sich übrigens als Kapelle, die kaum größer als eine Bushaltestelle ist. Noch dazu ist die dunkelrot gestrichen und durch den davor liegenden Friedhof, nach hinten versetzt. Die hätte ich nie finden können, in stockfinsterer Nacht. Der Platz, an dem wir genächtigt haben, ist an Naturidylle kaum zu überbieten. Hühner, Gänse, ein Truthahn, Kühe, die abends ihren Weg allein zurück in den Stall finden. Eine tolle Hügellandschaft drum herum und super nette Nachbarn. Diese regen sich darüber auf, dass Ihre Straße jetzt asphaltiert wird, weil dann ja die Bengel aus dem Dorf ständig mit den Mofas die neue Straße rauf und runter fahren werden und damit die Idylle dahin sei.


Zweite Übernachtungsplatz.
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Wir kommen erst gegen Mittag los und geben uns erst mal, die kleinste Verbindungsstraße, die es in der Gegend gibt. Natürlich ist das Wort Straße, völlig geprallt. Das ist ein Feldweg, und zwar ein schlechter. Aber das macht Spaß und wir kommen erstaunlich zügig durch. Wir fahren noch einige andere Strecken, die man nicht mal mehr als Feldweg bezeichnen kann. Das ist nur noch Wiese aber auch ganz Interessant.

Die Vorhut
Ich natürlich hinterher
alle oben angekommen. Straße, Fehlanzeige.

Natürlich schaffen wir nicht annähernd die Strecke, die wir uns vorgenommen hatten und beschließen, so gegen 15 Uhr, wieder auf die Hauptstraße zu fahren. Wir fahren über 140 Km, auf astreiner Landstraße, nagelneu und bestens beschildert, und kommen schließlich in Bad Herkulaneum an. Ein alter Kur Ort, in dem wir uns erst mal ein Zimmer für die Mopedfahrer suchen, in einen Pool springen dürfen, und für kleines Geld, fürstlich speisen. Das Abendessen bestellen wir übrigens noch im Pool badend. Ich werde im Bus vor der Pension schlafen. Die Wirtin ist super nett und tauscht uns allen auch gleich noch unsere Euros um, zum Internet Tauschkurs. Dieser Badeort ist mit Schwefelquellen gesegnet und schon von den Römern erschlossen worden. Leider hat man in der Neuzeit jede Menge Bausünden in das eigentlich wunderschöne Tal gesetzt. Ansonsten ist da halt der ganz normale Touri Betrieb, wie man ihn in einer Kurstätte erwartet.

Bad Herkulaneum
Pensionen, die für kleines Geld eine Herberge bieten.
Alte Badehäuser
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10.07.2011

Das Frühstück in der Pension war dürftig, aber erst mal ausreichend. Ich hab zwar nicht da geschlafen, aber mit den anderen gefrühstückt. Gleich beim Losfahren gab es Unstimmigkeiten, wie die Tagestour denn aussehen soll. Konni möchte seine Verwandtschaft besuchen, die er seit 35 Jahren nicht gesehen hat. Ich will da eigentlich nicht hin. Der ganze Stress vor meiner Abfahrt nach Rumänien, seit 4 Wochen nur den Terminen hinterher gehetzt, will mit Ruhe und absolutem Fehlen von Termindruck ausgeglichen werden. So beschließe ich, auf dem Weg zum Eisentor, ein großes Donausperrwerk, mich abzusetzen und die beiden ziehen zu lassen. Am Eisentor angekommen, verkündige ich die Nachricht, dass wir uns erst morgen auf der Transfagaraschan wieder treffen sollten. So kann jeder seine Geschwindigkeit fahren und ich kann mal einen Tag die Seele baumeln lassen. Und das mach ich dann auch. Die beiden sind zwar erst nicht wirklich begeistert, aber ich bekomme genau das, was ich jetzt brauche, Freiraum. Den ganzen Tag fahr ich umher, die Donau rauf, in die Berge der Karpaten, über schlimme Schlaglochpisten, die plötzlich zu wunderbar ausgebauten Landstraßen werden. Mein Dieselverbrauch sinkt rapide, jetzt, wo ich nicht mehr den Mopeds hinterher rase.

Donau Durchbruch
Auf der einen Seite Rumänien, auf der anderen Serbien
Um die Straße bauen zu können, musste der ein oder andere Fels weichen
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Ein schattiges Eichenwäldchen dient mir als Mittagslager. Ich esse etwas, kühl mich mit einer kleinen Dusche, aus meinem Wassertank, (es sind 37°C) und bummele dann wieder über die Dörfer. Rumänien ist schön, heiß und gemütlich an diesem Tag. Sehr viele Rumänen verbringen offensichtlich das heiße Wochenende an Flüssen. Die kampieren in Autos, Zelten und manchmal in Transportern an Flussufern, mit der Familie und genießen das kühle Nass, machen Lagerfeuer und Grillen. Manche Täler sind Km weit zu geparkt mit Autos.

Zugeparktes Tal, mit dem dazu gehörigen Stau
Zählt mal bitte einer, wie viele Melonen der Dacia geladen hat...

Die streunenden Hunde hier sind irgendwie anders. Alle sehr jung, manche fast Welpen. Und alles solche Schoßhündchen Rassen, kaum große Hunde, nur Kleffer. Die sind aber alle harmlos und betteln nur ganz bescheiden.

Die Menschen hier, setzen sich Nachmittags vor Ihre Häuser. Meist auf Holzbänken, manchmal auf Klappstühlen. Und dann sitzen die da und schauen, wer vorbei fährt. Sehr oft sitzt da die ganze Familie, vom Baby bis zum Greis und palavern. Manchmal ist es ein altes Ehepaar, manchmal ganz junge Mädchen, alle auf die gleiche weise. Meiner Ansicht nach, eine deutlich bessere Abendunterhaltung, als sich „Big Brother“ im Fernsehen an zusehen. Jetzt stehe ich in Rammnicu Valcea hinter einer Tanke und geh schlafen. Vor mir ein ganz furchtbar einbetonierte Fluss. Das es solche Art Sünden noch gibt... Aber es ist ein guter Platz zum schlafen, wie sich am nächsten Morgen bestätigen wird.

11.07.2011

Heute Morgen stell ich fest, das die Halle, hinter der ich mich in der Nacht versteckt habe, zu der Firma Autocif gehört. Die machen Handreinigungen für Fahrzeuge. Flöckchen (mein Bus) sieht nach den Offroud Abendheuern der letzten Tage doch sehe mitgenommen aus. Also beschließe ich, das gute Stück waschen zu lassen. Für 20 Lei, das sind ca. 5 €, bekommt mein Dicker eine Handwäsche, wie er sie von mir noch nie bekommen hat. Auch die Solarzellen werden auf Wunsch mit gereinigt. Auch die Mitarbeiter der Waschhalle bekommen ein Unterhaltungsprogramm gratis. So ein Auto haben die noch nicht gesehen. Alles muss ich zeigen und erklären und der Kor der Mitarbeiter, bestätigt jedes mal, wenn meine Ausführungen verstanden wurden, mit einem gemeinschaftlich angestimmten „Aaaahhhh“.

Flöckchen bekommt seine Spezialbehandlung

Ich darf auch noch meinen Müll dort entsorgen und die Toilette benutzen, so kann der Tag los gehen. Mit leuchtend sauberen Auto steuere ich die Transfagaraschan an. Ein Pass, im Prinzip wie die Großglockner Hochalpen Straße, nur noch beeindruckender und bestimmt doppelt so lang. Er überquert einen Gebirgskamm der Karpaten, der auch gleichzeitig die Walachei von Transsilvanien trennt. Relativ weit unten, erscheint plötzlich eine gewaltige Staumauer. Der dazugehörige See wird zur Stromgewinnung genutzt und ist auch der Treffpunkt mit meinen Moped Fahrern, die ich auch prompt dort treffe, eine Stunde vor der abgemachten Zeit.

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Nach kurzem Palaver fahren wir weiter zum Gipfel. Hinter der Staumauer wird die bis jetzt ganz passable Straße, zur furchtbaren Schlaglochpiste. Ich werde bös durchgeschüttelt und die Mopedfahrer auch. Doch nach wenigen Kilometern ist die Straße dann schlagartig neu, was in Rumänien immer wieder so vorkommt. Nur jetzt fängt es an zu regnen, aber richtig. Das Wasser schießt neben der Straße aus dem Berg. Der Spuk dauert 10 Minuten hört schlagartig auf und auch die Straße ist nach wenigen Km wieder trocken.

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Die Anfahrt über den südlichen Zubringer der Transfagaraschan ist schon sehr beeindruckend, wie die Straße da in den Berg gesetzt wurde. Aber jetzt geht es über die Baumgrenze. Das Hochgebirgspanorama ist grandios. Wasserfälle verteilen sich an den Felshängen. Überall Möglichkeiten anzuhalten und zu campen. Was die Rumänen auch fleißig tun. Wir haben Montag, gestern war hier bestimmt die Hölle los. Auf dem Gipfel angekommen, genießen wir die Aussicht, bei nur noch kühlenden 16°C und ein Mittagessen am Gipfelsee.

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Die Abfahrt machen die Motorräder natürlich auch wieder alleine. Dass wir quasi nur einmal über den Pass gerast sind, verschmerze ich gut, denn ich weiß, ich komme wieder. Natürlich ist für einen Motorradfahrer, das Fahren das Wichtige.

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Dauerstau im Gipfel Bereich

Wir treffen uns in einem Wintersportort, oberhalb von Brasov wieder, zum Übernachten. Schön kühl hier. Ich nehme ausnahmsweise auch ein Zimmer in dem 4 Sterne Hotel, für 33€ mit Frühstück.

12.07.2011

Mein Auto ist kaputt. Es rappelt wie Sau, wenn ich über Unebenheiten fahre. Und das ist halt in Rumänien mal öfter der Fall. Das ist bestimmt das rechte untere Stützlager. In Deutschland hatte ich kurz vor dem Urlaub das linke Lager neu gemacht. Hab da wohl nicht die beste Qualität erwischt, beim letzten Tausch. Konnis KTM ist auch hin. Die Hinterradbremse geht nicht mehr. Also wird ein Reparaturgang nötig. In Brasov gibt es einen VW und einen KTM Händler. Zu erst zum Freundlichen, das sind die hier nämlich wirklich. Mein Verdacht bestätigt sich schnell, nur haben die so ein Stützlager gerade nicht da, kommt aber am Mittag. Also wir gleich weiter zum Dracula Schloss.

Das Schloss ist eigentlich das Königsschloss von Barn, in dem Generationen von Herrschern, Königen und Königinnen gelebt haben. Ein eigentlich recht kleines und völlig verwinkeltes Burgschloss. Super schmale Treppen führen, wie in einem Labyrinth, von einer Kammer zur nächsten. Nett zurecht gemacht und natürlich schon jetzt total touristisch vermarktet. Aber das ist ganz ok, die Preise gehen noch (5 € Eintritt) und so wird das ganze also einmal durchlaufen. Vampire sind uns keine begegnet und es wurde uns auch ein Vampirspektakel a la Disney erspart. Kein Sarg, kein Huibu, kein Kellerverlies, einfach nur ein Schlösschen und seine Geschichte. Unten vor dem Schoss gibt es tatsächlich eine Geisterbahn. Wer das haben will, kann also auch das haben. Natürlich auch alles an Plastik Nippes und Vampirzeugs, aber halt nur vor dem Schloss und nicht darin.

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Anschließend zurück zu VW. Mein Teil ist da und ich komm auch gleich dran. Die beiden anderen fahren zu KTM und lassen die Bremse entlüften. Ist wohl ein KTM typischer Fehler. Die Bremsleitung der hinteren Bremse, geht einfach zu nah am Auspuff entlang. So kann es leicht passieren, das die Bremsflüssigkeit Blasen wirft.

Mein Stützlager tausch, kostet mich 75 € und ein schmunzeln. Meine Wegfahrsperre funktioniert ganz prima. Von der hab ich dem Werkstattpersonal nix erzählt, nur das sie nicht schneller als 40 Km/h fahren sollen. Und prompt kommt einer der Meister und bittet mich mit zu kommen, mein Auto steht nicht ganz einen Km weg vom Händler und läuft nicht mehr. Und ich sag denen noch vorher, nicht schneller als 40 Km/h fahren, sonst geht der nicht mehr. Ich also hin, Wegfahrsperre entschärft und weiter gings.

Auf dem Rückweg zum Hotel haben wir einen Quat Verleiher gesehen und gleich mal ne Tour gebucht. Der Spaß kostet 100 Lei (ca. 25 €) für eine Stunde mit Knallgas durch den Wald. Hat ein heiden Spaß gemacht.

Also ich scherzend frage, wann wir die zweite halbe Stunde fahren, schaut mich der Guide nur groß an und meint: "ich bin jetzt mit euch in einer Stunde die Strecke gefahren, die ich mit anderen Gruppen in 2 Stunden nicht schaffen würde". Da hatten wir wohl einen Drang, vorwärts zu kommen...

Jetzt bin ich allerdings so staubig, das ich mir dann doch noch, eine zweite Nacht, ein Hotelzimmer buche, um duschen zu können und ein paar Sachen im Waschbecken zu waschen.

Am Abend fahren wir noch mal nach Brasov in die Altstadt. Den Häusern dort sieht man an, dass sie ihre besten Zeiten mal hatten. Den Menschen sieht man an, das Sie Ihre besten Zeiten jetzt, in diesem Augenblick, haben. Die Altstadt ist voller junger Menschen, die einen fröhlichen Abend verbringen. Straßenmusiker, Popcorn-Verkäufer, Clowns mit Luftballons, Cafes, Bars, Restaurants, Geschäfte, alles eine tolle und sehr entspannte Atmosphäre. Der Kellner in unseren Restaurant ist ausgesprochen zuvorkommend und wir fühlen uns richtig gut. Dabei fällt mir auf, das man bis jetzt, mit Englisch sehr viel weiter kommt, als mit Deutsch. Es wurde mir immer anders berichtet, aber hier sprechen viele richtig gut Englisch. Gerade die jungen Leute, wie z.B. der Kellner oder auch der Mechaniker, der mein Auto gemacht hat, sprachen ein fließendes Englisch, das ich so nicht erwartet hätte.

13.07.2011

Heute sind wir quasi nur gefahren. Von Brasov geht eine sehr gute Straße quer durch die Berge nach Pitesti. Eine wirklich schöne Strecke mit viel Aussicht und ein paar kleinen Holzkirchen, die typisch für Transilvanien sind. Eine Strecke, die ich alleine noch mal fahren will.

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Heute versuche ich nur, die Wartezeiten für die Kai und Konni klein zu halten. Ist keine gute Kombination, Motorrad und Bus. Aber das wusste ich ja vorher, ist ja nur noch heute, dass ich mit den beiden fahre. Morgen ziehen die beiden weiter in den Nord- Westen. Ich bleibe in der Gegend und treffe mich mit Riad und seiner Familie.

Auf der Höhe von Cimpulung geht’s auf kleineren Straßen durch Curtea de Arges weiter nach Rimnicu Vilcea und wieder hoch in die Karpaten. Jetzt wieder von der südlichen Seite. Eine quer durch die Karpaten führende Straße bringt uns in eine fast menschenleere Region und schließlich zu unserem Tagesziel, die Trans Alpina. Die Trans Alpina ist eine Querung wie der Transfagaraschan. Nur ist die auf keiner Karte als befahrbare Straße zu erkennen, sondern höchstens als Schotterpiste. Vor anderen Motorradfahrern und dem Hotelpersonal wissen wir aber, dass die Straße ganz neu asphaltiert ist.

Mittagspause im Flußbett
Camping auf Rumänisch. Die "Zelte" sind zu Mieten.
Alles was man braucht...

Und was soll ich sagen, eigentlich ist die Trans Alpina noch viel besser als die Transfagaraschan. Der obere Teil ist wirklich ganz neu. Noch unbeschildert, ohne Markierungen, ohne Leitplanken, windet sich die Straße auf den Höhenzug und gibt dabei traumhafte Ausblicke frei. Wir bedauern es alle 3, dass wir kein Zelt für die beiden dabei haben. Hätten wir eines gehabt, hätten wir da oben übernachtet. Aber wenn da am Tag schon nur 16° sind, würden die beiden sich, ohne Zelt und Schlafunterlage den Arsch abfrieren in der Nacht.

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Also fahren wir tief beeindruckt den Weg wieder zurück und finden im Tal eine Pension, wo die beiden sich ein mieten, für 10 € die Nacht. Ich stell mich einfach auf den Parkplatz. Als die Beiden geduscht sind kommen Sie an mein Auto und bringen für jeden eine Flasche Bier mit. Wir haben ja auch noch die 2 Literflasche Bier in meiner Kühlbox und den selbstgebrannten Schnaps, von unserem Verwandtenbesuch vom ersten Tag. Wir beschließen, dass das alles noch weg muss und setzen das auch in die Tat um. Der Selbstgebrannte soll 70% haben. Ich glaube das sofort, wir sind voll wie die Haubitzen und lachen viel.

14.07.2011

Der Tag beginnt für mich um ca. 7 Uhr, in dem ich gerade noch meine Hose an bekomme und erst mal ausgiebig hinter mein Auto kotze. Mein Gott ist mir schlecht. Dann gleich die Rolle Klopapier gegriffen und auf die Toilette der Pension. Boh is mir Übel.

Auf dem Rückweg zum Bus (nur schnell wieder in die Horizontale) wollen die hier ansässigen Hunde mit mir spielen. Geschicke schnappen sie sich meine Schlappen, während ich darin laufe und bekommen sie auch immer wieder. Ich bin verwirrt und raff das erst gar nicht. Denke nur, was läuft sich das heut so komisch. Um halb 9 stehen Kai und Konni vor meinem Bus und fragen, ob ich Frühstücken komme. „Ohne mich Männer.“ Eine Halbe Stunde später quäl ich mich noch mal aus der Koje und verabschiede die beiden.

Bis 11 ist es noch erträglich von der Temperatur her, dann mache ich mich auch auf. Es geht wieder.

Die Strecke ist eine Mischung aus Baustelle, neuer Straße und alten Stücken, die sich ständig abwechseln. Die Straße führt auch durch einen Steinbruch. Ich steuere tatsächlich zwischen riesigen Radladern, 2 noch riesigeren Steinbrechern und LKWs hindurch. Die LKWs holen den Frisch entstandenen Schotter ab und schaffen ihn weiter unten zu der Straßenbaustelle. Als ich aus dem Tal komme und damit wieder Händy empfang bekomme, kommt eine SMS von Riad rein. Er möchte sich mit mir in Sibiu treffen. Das passt hervorragend, dahin bin ich nämlich gerade unterwegs. Allerdings soll das Treffen erst am nächsten Tag sein. Auch das ist mir sehr recht, denn ich brauch heute Ruhe. In Sibiu angekommen, kaufe ich noch schnell etwas ein, da wo auch die Rumänen einkaufen, nämlich bei Lidl. Es gibt natürlich auch andere Märkte, Kaufland, Billa, Penny, Rewe, alles da. Schnell merke ich, dass mir die 32° zu warm und stickig sind und fahre sofort weiter, zurück in die Berge. Bei angenehmen und Luftigen 28° schlaf ich erst noch mal ne runde. Ich hab ein Plätzchen mit Aussicht gefunden, esse was, bastele etwas am Bus herum und lass den Tag verstreichen.

Kühles Plätzchen mit Aussicht
So lässt sich das leben...

Mir fallen hier an diesem Aussichtspunkt, wie auch an den Aussichtspunkten auf den Pässen, immer wieder junge Pärchen auf.. Die kommen mit einem Auto an, identifizieren die Stelle als eine mit guter Aussicht und dann passiert immer das gleiche. Die schauen sich nicht um. Er packt die Kamera aus und Fotografiert Sie, während Sie posiert wie auf alten 50er Jahre Pin Ups. Mal nur so in der Landschaft, mal sich auf der Haube des Autos räkelnd. Dann wird eingepackt und weiter geht’s zum nächsten Punkt mit Aussicht und die Räkelei geht von vorne los. Andere Länder, andre Sitten.

15.07.2011

Heute will ich mich mit Riad und seiner Familie treffen, in Sibiu. Daher habe ich in Sibiu in einer Seitenstraße übernachtet, bewacht von einem Hund, vor dessen Zwinger ich geparkt habe. Wenn der schon aufpasst, dann kann er auf mich auch gleich mit aufpassen.

Wie immer komm ich morgens recht langsam in Gang und mache so gegen halb 9 los. Erst noch mal das Auto waschen lassen, wo das doch so gut geht hier und Flöckchen wieder fast schwarz ist. Mit Riad treffe ich mich um 12 seiner Zeit, was 13 Uhr rumänischer Zeit ist. Treffpunkt in der Stadt. Also noch locker Zeit was zu essen, hatte schließlich kein Frühstück, keine Lust. Am Flughafen find ich einen, der mir mein Auto für nur 15 Lei (3,75 €) wäscht.

Als das erledigt ist, steh ich an der Hauptstraße und versuche, meine völlig vermatschte Sonnenbrille wieder durchschaubar zu machen, als plötzlich ein weißer T4 mit deutschem „HB“ Kennzeichen vor mir steht. Aus ihm heraus winkt Riad, Katarina und Kinder. Mein Bus scheint aufzufallen...

Wir sehen uns gemeinsam Sibiu an. Die Stadt ist sehr ansehnlich im Zentrum. Alles neu zurechtgemacht und auch sehr belebt. Viele schöne Details und Gastrobetriebe, die zum Verweilen einladen. Außerhalb vom Zentrum haben die Häuser noch Potenzial zur Verbesserung, sind aber auf dem besten Wege.

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Anschließend ziehen wir dann noch weiter, zu einem Freilichtmuseum (Muzeul „Astra“). Dort wurden aus ganz Rumänien, Wirtschafts- und Wohngebäude zusammengetragen. Alles aus der guten alten Zeit. Mühlen aller Art, zur Herstellung von Mehl, zum Sägen von Holz, Pressen für Öl. Angetrieben von Wind, Wasser, Pferden, Menschen. Das Ganze sehr schön dargeboten und gepflegt. Eigentlich einen Tagesausflug wert, doch wir hatten nur ein paar Stunden dafür.

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Ein ganzes Dorf wurde zusammen getragen
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Zum Ende des Tages geht’s auf die Transfagaraschant, weil es so schön kühl ist da oben. Wir finden gleich ein gutes Plätzchen, gerade oberhalb der Baumgrenze und richten uns in der wunderbaren Bergkulisse ein. Für die Kinder gibt es ein kleines Lagerfeuer, der Grill wird mit Lammfleisch belegt, keiner der Nachbarn meint, seine Musikanlage austesten zu müssen, besser kann man es nicht haben.

16.07.2011

Ganz gemütlich fangen wir den Tag an. In dem Moment, wo die Sonne über dem Bergkamm lockt, wird’s auch gleich richtig warm. Wir veranstalten ein ausgedehntes Frühstück, das wir dann aber auch gerne beenden, als es beginnt, da oben voll zu werden. Es ist Samstag und der Berg wird zum Freizeitpark. Ganz plötzlich füllt sich der Ort mit Leuten verschiedenster Art. Touris, die nur gucken, Einheimische, die schon um 11 Uhr morgens in redseliger Wiskeylaune sind, Pärchen, die diese 50er Jahre Pin-Up Bilder am Bachlauf schießen.

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Brauchwasser fassen an einer Bergquelle
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Als dann die ersten Musikanlagen beginnen, rumänische Volksmusik in die Bergwelt zu brüllen, haben wir es plötzlich ganz eilig. Ich habe auch keine Zeit mehr, den Wiskey und das Bier der neuen rumänischen Nachbarn anzunehmen und schon gar nicht, es zu verzehren.

Alle paar Meter halte ich an und mache Bilder. Katharina und Riad ertragen meine Bergbegeisterung mit Fassung, die Kinder haben eh keine Wahl.

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Es wir später Mittag, als wir von dem Berg runter sind. Wir nehmen die unbefestigte Straße, die Westlich vom Stausee lang führt. Das dauert natürlich länger, bietet aber Riads Gelüsten nach Syncrostrecken Befriedigung und wir bekommen auch eine Badegelegenheit, die wir gerne nutzen.

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So wird es 18 Uhr. Wir kaufen noch was ein und beschließen, einen Übernachtungsplatz zu suchen. Auch verschlungenen Pfaden, kommt es dann zum Moment der Wahrheit.

Mein Navi, das sonst fast jeden Feldweg kennt, zeigt nur noch einen weißen Fleck. Wir stehen vor einer Kreuzung mit 3 Abzweigungen. Links geht es waagerecht weg, aber kein Platz zum Übernachten. Recht geht es steil nach unten, aber auch nicht sehr viel versprechend. Gerade aus, sehr steil nach oben.

Ich beschließe, den Weg gerade aus zu nehmen und zu schauen, ob es da einen Platz zum Schlafen gibt. Riad fährt bei mir mit. Der unbefestigte und steile Weg ist schon merklich eine Herausforderung für Flöckchen, aber letztlich problemlos in einem lauf geschafft.

Oben angekommen, ein Obstbaumfeld mit super Aussicht. Unser Platz für die Nacht. Muss jetzt nur noch der Zweifüßlerbus mit Originalbereifung von Riad hier rauf kommen. Und genau das schafft er nicht. Nach 3 Versuchen, 2 Riad und einer von mir, geben wir es auf. Mehr als die Hälfte des Hanges schafft der Bus einfach nicht. Keine Traktion. Für irgendwas muss der ganze Klimbim an meinem Auto doch gut sein, spätestens jetzt weiß ich, wofür.

Das wäre die Aussicht vom Übernachtungsplatz gewesen
Auf dem Rückweg vom Berg

Wir nehmen den Weg, der den Berg hinab führt und finden keine 2 Km weiter eine weitere Obstwiese. Schnell die Anwohner gefragt, ein OK bekommen, das ist unserer Nachtstätte. Lecker essen gekocht, mit den Anwohnern gestikuliert, deren Tiere den Kindern präsentiert, ein nettes Gespräch und der Tag verabschiedet sich mit einem schönen Sonnenuntergang.

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17.07.2011

Und wieder sind wir erst um 11 losgekommen, was so in Ordnung ist, wie es nur sein kann. Wir holpern den Feldweg weiter bis zur nächsten Straße. Fahren dann die gleiche Querung durch die Karpaten Richtung Westen, die ich schon vor einigen Tagen mit den Mopedfahrern gemacht habe. So gelangen wir auf die Trans Alpina. Dieses Mal nehmen wir uns aber viel Zeit. Und wir wollen schlau sein und sägen uns noch schnell einen toten Baum zu Brennholz zurecht und verladen ihn im Auto. Könnte ja kalt werden. Oben, oberhalb der Baumgrenze finden wir allerdings ein Schild, dass die Reisenden bittet, kein Feuer zu machen. Daran wollen wir uns halten. Allerdings nicht daran, dass wir hier nicht Campen sollen. Wir finden einen Platz, der so toll ist, dass es eigentlich gar nicht anders geht, als hier oben zu bleiben. Hotel zur guten Aussicht, aber vom aller Feinsten.

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Da wir gerade noch im Tal gegessen haben und es noch früh ist, haben wir jetzt die Zeit, den Berg nebenan zu erklimmen. Zu sechst geht es los und es lohnt sich. Aussicht ohne Ende und keinerlei Trubel. Die Speicherkarte meiner Kamera ist schnell fast voll.

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Weil es draußen so kalt ist, wird zu 6st in Riads Bus zu Abend gegessen. Bei mir würden maximal 3 Leute rein gehen. Ich hab halt doch zu viel Zeug dabei.

Auch heute verabschiedet sich der Tag mit einer grandiosen Komposition aus Licht, Wolkengebilde und Landschaft. Ich sitze, in meine Decke gehüllt, einfach nur da und sauge die Darbietung, bald eine Stunde lang, in mich auf.

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18.07.2011

Der zweite Teil der Trans Alpina, den ich selbst auch noch nicht gesehen hatte, weil der bei meinem letzten Besuch mit Wolken verhangen war, ist auch ganz schön klasse. Riad und ich sind uns einig, die Trans Alpina ist schöner als die Transfagaraschan. Der Bereich über der Baumgrenze ist viel größer und vor allem, die Fernsicht ist besser. Man kann, wenn das Wetter es zu läst, sehr weit über die Karpaten schauen.

Bei der Abfahrt halten wir noch neugierig bei einem zerlegten LKW. Der Mechaniker hat den Motor komplett zerlegt und über die Straße verteilt. Die Laufbuchse wird gerade mit Schmirgelpapier bearbeitet und der Fahrer, zeigt uns den Grund, für die Reparatur. Die Kolbenringe sind gebrochen. 12 Stunden dauert so eine Zerlegearbeit auf dem Berg. Mein Lehrmeister hätte mir allerdings eine hinter die Löffel gehauen, wenn ich das so gemacht hätte.

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Auch auf dem Weg, ein neues Skidorf. Das wird gerade komplett neu aus dem Boden gestampft. Bestimmt 50, teilweise riesige Gebäude, die es wohl noch vor kurzer Zeit nicht gab, werden gebaut. Alle gleichzeitig. Dann wird es wohl sehr bald vorbei sein, mit der Ruhe auf der Trans Alpina. Wie schön,dass wir das noch in diesem Erschließungsstadium erleben durften.

Als wir die Berge dann in Richtung Süden verlassen haben, trennen sich unsere Wege wieder. Katarina und Riad wollen zur Donau. Eisentor und Donaudurchbruch habe ich schon gesehen. Die sind schön anzuschauen, aber für mich kein Grund, da noch mal hin zu fahren. Ich mache lieber etwas, was die beiden nicht machen möchten. Meine Wege führen nach Bukarest.

Kurz nach der Verabschiedung halte ich an einem Zigeunermarkt. Es wird da glaube ich so ziemlich alles angeboten, was man im Leben so brauchen kann. Von Schuhen bis zum Hut, vom Spitzenunterhöschen bis zum Pelzmantel kann man sich einkleiden. Haushaltswaren der alten Handwerkskünste, Holzgeschirr, Holzfässer, Kupfer- und Alutöpfe, bis hin zur Plastikware aus Fernost. Fenster, Möbel, Teppiche, alles da. Und in der Mitte ein Rummelplatz mit Autoskooter und Karussell. Natürlich auch eine „Fressmeile“ in der ich mich versorgen kann. Alles begleitet von lauter Musik, wie in einer Disko. Mal wird Die allgegenwärtige Volksmusik gegeben, mal modernes Disko bumbum.

Auf dem Weg nach Bukarest verliere ich die Lust an der Hauptstraße und beschließe, eine kleine Nebenstraße zu nehmen, die fast parallel zum Hauptroute führt. So zeigt das wenigstens mein Navi und wenn mein Navi sagt, da ist ne Straße, dann ist da ne Straße. Also links abgebogen, durch den Ort und plötzlich stehe ich vor dem Fußballplatz den Ortes. Aber wenn mein Navi doch sagt, dass da ne Straße ist, muss da ne Straße sein. Also weiter. Am Bolzplatz vorbei den Hang hoch, der Spur folgend, die ein PKW vor nicht all zu langer Zeit, hier hinterlassen haben muss. Na also, da vorne wird die Wiese zur Straße. Natürlich nicht, die Straße ist ein Feldweg, der immer schlechter und enger wird und schließlich in den Wald führt. 2 mal denke ich, jetzt stecke ich fest, aber Flöckchen zieht sich immer brav raus. Aber hier kann ich wirklich nicht weiter, ich muss umdrehen. Nur wie? Die Bäume stehen so eng, das ich rechts und links vom Auto, manchmal nur ne Handbreit Luft habe. Ich hole die Akkusäge raus und suche mir, zu Fuß einen Weg, der mich zurück auf die richtige Straße bringt. Letztlich müssen 3 kleinere Äste dran glauben und ich hatte einen Trail Parkur vom Feinsten.

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Wieder auf der Straße werden die sonst blauen Hinweisschilder plötzlich grün, die Fahrbahn zweispurig. Ich bin auf der fast einzigen Autobahn Rumäniens, die von Pitesti nach Bukarest führt. Sie verläuft durch flaches und meist unbewirtschaftetes Grasland. Dass es sich hier um eine Autobahn handelt, schien die beiden Anhalter, die ich gesehen habe, nicht zu stören. Einer versuchte, in Sichtweite eines Streifenwagens der Polizei, mitgenommen zu werden. Auch die Polizei hat da wohl nix gegen, dass sich die Anhalter auf den Standstreifen stellen und Autos stoppen. Nach ca. 100 Km ist die Autobahn schlagartig zu Ende, ich bin in Bukarest.

Von dieser Seite aus befahren, lädt die Stadt nicht gerade ein. Riesige Industriegebäude von Speditionen, LKW und Autohändlern und den Baumärkten Hornbacher und Praktika, werden schnell von hässlichen, grauen und schlecht gepflegten Hochhäusern abgelöst. Sozialistische Einheitsbauten, die das Word „Sozial“ verhöhnen zu scheinen.

Ich finde einen Supermarkt XXL und decke mich ein. Dabei finde ich wohl einen Grund dafür, dass hier so viele Schoßhündchen als Streuner rumlaufen. In einer Glasvitrine werden im Eingangsbereich den Supermarktes, kleine Hündchen und Katzen dargeboten. Die Jungtiere erfreuen sich größter Beliebtheit bei den Passanten. Die sind ja so niedlich. Der weitere Ablauf ist klar: niedliche Fußhupe wird gekauft. Und wenn der Käufer dann merkt, dass die Fußhupe kackt, bellt und Geld kostet, wird sie wieder entsorgt. Das Ergebnis, sieht man dann im ganzen Land am Straßenrand betteln, oder gleich überfahren im Straßengraben..

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Als ich den Supermarkt verlasse, ist es dunkel und ich fahre wieder aus der Stadt raus. Schlafen will ich hier nicht, ist mir zu hektisch. In einem Dorf vor der Stadt finde ich einen Schlafplatz und werde bestimmt mal wieder zwischen Hühnern, Gänsen, Truthähnen und Hunden wach.

19.07.2011

Genau so kommt es, ich werde zwischen Hühnern, Gänsen, Truthähnen und Hunden wach. Eine Kuh schaut mich auch fragend an. Und ich weiß jetzt, warum der Kleffer von Hund, gestern Abend noch so lange Radau gemacht hat. Ich stehe quasi direkt hinter seiner Hundehütte. Der arme Hund verbringt sein Leben offensichtlich, als Alarm schlagendes Opfertier. Festgekettet an seine Hundehütte, ist der so klein, dass er im Zweifel absolut keine Chance hat, sich, oder gar den Hof, zu verteidigen. Auch ist er vor, und nicht etwa hinter dem Gartenzaun festgemacht. Sollte es da größere Hunde, oder gar Wölfe geben, wird halt der Hund zu erst gefressen und die Hühner verschont. In solch einer Situation würde ich auch bellen wie ein Großer.

Nach dem Frühstück fahre ich den gleichen Weg in die Stadt wie am Vortag. Die Häuser sind über Nacht nicht schöner geworden und werden auch in der Innenstadt nicht ansehnlicher. Nur wenige Häuser sind renoviert und das sind meist auch noch die Regierungsbauten. Das wundert mich ein wenig, denn überall sonst, wo ich bis jetzt gewesen bin, wurden viele Häuser schick gemacht, oder gleich neu gebaut. Da ist der Anteil der renovierten Häuser in der Hauptstadt, deutlich geringer, als der, in den vielen Dörfern, die ich bis jetzt durchfahren habe.

Ok, das Foto ist nicht in Bukarest entstanden, aber so sieht es da aus

Der Verkehr ist höllisch, wie die Temperatur. Um 11 Uhr morgens, 34° draußen, 38° im Auto. Das zwischen mir und Bukarest ist definitiv keine Liebe auf den ersten Blick. Ich hab keine Lust zu fotografieren oder auszusteigen und beschließe, gleich zum Schwarzen Meer durchzufahren.

Auf dem Weg aus der Stadt heraus wiederholen sich die Bilder, in umgekehrter Reihenfolge. Die unansehnliche Innenstadt wird von nicht enden wollenden, grauen, schlecht gepflegten Plattenbauten abgelöst. Dann kommen wieder die Autohäuser, die Lagerhallen und die Baumärkte. Auf dieser Seite ist es allerdings ein OBI und kein Hornbacher. Aber den METRO Markt, den gibt es auf beiden Seiten der Stadt. Die Straßenschilder werden wieder grün, jetzt heißt die Autobahn A2, was ja auch Sinn macht. Wieder führt die Autobahn durch absolut flaches Land. Manchmal Landwirtschaft und ein paar Bäume, manchmal kann man bis zum Horizont keinen Baum, keinen Strauch sehen.

Zwischen den Autobahnabfahrten liegen jedes Mal, zwischen 30 und 40 Km. Dazwischen ist nichts, dass es sich lohnen würde, da ne Abfahrt hinzubauen. Eine gute Idee von mir, hier einfach durchzurauschen. Nach gut 2 Stunden bin ich in Constanta, wie mir das Schiff am Eingang der Stadt verrät. Später sehe ich, dass solch ein Schiff, an jedem Ende der Stadt aufgestellt ist. Alle Ausstellungsstücke sind sehr gepflegt und neu gestrichen.

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Zwischen den Häusern erspähe ich das erste Mal das Schwarze Meer.

Es wir immer geschrieben, die Rumänen hätten die gesamte Schwarzmeerküste, nur mit Ausnahme des Donau Deltas, zugebaut. Das stimmt nicht. Ein ca. 500 Meter langer Streifen, kurz vor der Raffinerie und dem dazugehörigen Industriehafen, ist noch nicht bebaut. Aber keine Sorge, das schaffen die auch noch. Das Areal ist schon mit Schotterwegen erschlossen und die ersten Häuser werden gebaut. Trotz der nicht ganz so feinen Kulisse, nutze ich einen der Wege und fahre bis ans Meer. Hier bleibe ich jetzt erst mal und mache Urlaub.

Noch näher am Strand geht kaum.
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Die Hunde finden mein Auto auch klasse, endlich Schatten mit Kopffreiheit

20.07.2011

Der Strand arbeitet im Schichtbetrieb. Morgens kommen die Großeltern mit den Enkeln, die jungen Familien und einige Badenixen. Die meist paarweise, manche in Gruppen. Eine der Badenixen fällt mir besonders auf. Man(n) kennt das Bild, Sie trägt einen äußerst knappes Spagettiträger Teil. 4 kleine Dreiecke, die durch Bändel zusammengehalten, die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale bedecken. Dazu lässt die Holde ab und an Ihr Haar in Winde flattern, zuppelt die Bändchen des Bikinis zurecht, richtet sich ab und an auf, damit Sie sich sicher sein kann, auch wirklich gesehen zu werden. Doch etwas stört dieses Bild gewaltig und es sind nicht die 3 kleinen Kinder, die sie dabei hat und offensichtlich ihre sind. Es ist die, mit Schwangerschaftsstreifen übersäte Fettschürze, die vorne eines der Dreiecke fast verschwinden läst. Die Bändchen kann man auch nur erkennen, wenn sie sie, zwischen den Fettmassen hervor zuppelt. Von der Heckansicht des Schlachtkreuzers will ich hier nicht schreiben, es könnten Kinder mitlesen. Die Abendschicht kommt so ab 17 Uhr und wird von Arbeitern und Ihren Familien gebildet. Die bleiben 2 bis 3 Stunden, dann geht’s wohl zum Abendessen. Ich mache heute Doppelschicht und genieße das.

21.07.2011

Heute Nacht sind mehrere Gewitter durchgezogen, natürlich begleitet von starkem Regen und Wind. Auch vormittags hält der Regen an, ist aber nicht mehr so stark. Neidisch schaut einer der Jungs, die nicht weit von mir zelten, in mein Auto und sagt etwas. Leider kann er es nicht auf Deutsch oder Englisch übersetzen, aber ich kann mir vorstellen, was er wollte. Die haben sicherlich die Nacht damit verbracht, nicht weg geweht oder weggeschwemmt zu werden und wünscht sich jetzt ein Auto, in dem ihm das so nicht mehr passiert.

Weil ein Strandleben nicht möglich ist, beschließe ich, die Küste Richtung Süden zu befahren. Den Norden will ich mir aufsparen. Morgen kommen Katharina und Riad und wir wollen uns gemeinsam das Donau Delta anschauen. Blöd ist nur, dass wohl alle anderen den gleichen Gedanken, mit dem rum fahren hatten. Die 4 spurigen Straßen in und um Konstanza sind voll. Km lange Staus in beide Richtungen. Am Straßenrand, noch außerhalb von der Stadt, steht eine Hure und kämpft im Wind mit einem Plastikteil, welches ihren Kopf und Oberkörper bedeckt. Ihr Unterteil ist völlig unbekleidet. Warum auch nicht, sein Arbeitsgerät kann man ruhig mal vorzeigen, oder?

Ich kämpfe mich durch die Staus und schaue mir einige Orte und Strände im Süden an. Alles wie auf Mallorca. Tourristen Abfertigung im Massenbetrieb. Viel Halli Galli, aber auch ruhigere Ecken. Aber wirklich, bis auf die Stellen, wo das Land zu steil ins Meer abfällt, alles verbaut und Mallorca mäßig genutzt. Als Attraktion, ein Schiff, das von Meer an Land gespült wurde. Keine Attraktion, die alten Russischen Bunker, die vom Land ins Meer gespült wurden.

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Auf dem Rückweg nehme ich eine kleine Straße, um den Stau zu umfahren. Plötzlich wird die kleine Asphalt Straße zum Feldweg und mein Flöckchen geht quer. Durch den Regen ist alles so aufgeweicht, das nur klebriger Schlamm bleibt. Drehen ist hier nicht, also weiter, nur nicht stehen bleiben. Oh je, eine Steigung. Viel Gas, die Brocken fliegen, aber ich komme im ersten Anlauf hoch.

Als ich wieder festen Grund unter den Rädern habe, sieht mein Auto aus wie Sau. Mit einem Stöckchen versuche ich den Schlamm etwas zu entfernen. Schnell erkenne ich, die Sinnlosigkeit des Unterfangens, und hole schließlich die klebrige Massen, mit vollen Händen, Kiloweise aus den Lokaris. Gut dass ich die habe. Ohne Innenkotflügel wäre die Sauerei noch viel größer gewesen. Natürlich kommt in diesem Moment die Sonne raus und macht die Grobreinigungsaktion zur Schwitzpartie und den Schlamm schneller trocken.

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Mit Hilfe meiner Außendusche befreie ich mich selbst vom gröbsten Schmutz und fahre erst mal wieder zum einem Strand, um die Feinreinigung durchzuführen. Schließlich scheint ja wieder die Sonne und die Temperaturen steigen schnell auf 24°.

Den Rest des Tages verbringe ich auch gleich an diesem Strand.

Auf dem Rückweg zu meinem Schlafplatz von gestern, halte ich noch in einem Gebüsch, um mich gründlich mit Süßwasser aus meinem Auto zu duschen. Bei der Gelegenheit fahre ich mir das Glas meines Fahrerspiegels zu Bruch. Bin an einem Busch hängen geblieben. Na ja,morgen mal schauen, wie die Versorgungslage mit Spiegelgläsern hier so ist. Wenigstens ist es nicht der rechte Spiegel, englische Spiegelgläser hätten die 100%ig nicht.

22.07.2011

Riad hat sich gemeldet, die stehen keine 30 Km von mir weg und warten da auf mich. Die Familie macht sich selbst einen schönen Strandtag. Ich kratze noch mal ein paar Kilo, jetzt getrockneten Schlamm, von meinem Auto und mache mich auf, den Spiegel zu ersetzen und mein Auto waschen zu lassen. Hoffentlich lässt mich einer so in seine Waschbucht.

Dass mit dem Waschen ist kein Problem, nach Zahlung von 20 Lei (ca. 5 €) wuselt eine Heerschar von Frauen um mein Auto und macht Flöckchen wieder landfein. Den Spiegel bekomme ich nicht. Dann halt mit dem rissigen weiter gefahren.

Katharina und Riad haben ein sehr schönes Plätzchen, direkt am Strand. Das liegt schon im Naturschutzpark Donaudelta. Die Wegbeschreibung war einwandfrei und den letzten Meter leitet Riad mich, wie ich ihn von seinem Avatarbild des T4 Forums kenne. Er steht auf seinem Auto und ist so weithin sichtbar. Der nächste Nachbar ist ca. 150 Meter weit weg. Der wieder Nächste, auch wieder 200 Meter. Diese Verhältnisse gibt es weiter südlich nicht. Da wird der Abstand zum Nächsten eher in cm gerechnet.

Da, in der Mitte, neben dem Busch, da steht er;-)
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Wir lassen den Resttag verstreichen, gehen baden, essen und trinken den letzten vorhandenen Wein.

23.07.2011

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von den netten Nachbarn und springen noch mal ins Meer. Als wir uns gerade wieder abfahrbereit machen, kommt ein Geländewagen mit 5 Männern in Uniform. Das Auftreten bestimmt und irgendwie mit Goldgräberstimmung. Der eine Dicke ruft mich ran, will was von mir. Dass ich kein Rumänisch kann und um englische oder deutsche Sprache gebeten habe, stört Ihn nicht, der redet weiter in Rumänisch auf mich ein. Er zeigt einen laminierten Zettel, der wohl ein Ausweis sein soll, ohne Lichtbild und natürlich in rumänisch. Schnell wird klar, die Jungs wollen „Sangtiona“ kassieren. Wir stehen auf Naturschutzgebiet und haben keine Aufenthaltsgenehmigung, die man vorher kaufen muss. Die herbeigeholte Nachbarin, Anwältin, mit schlitzohrigem Charme und reichlich Vorbau gesegnet, vermittelt auf Rumänisch. Was letztlich den Ausschlag gegeben hat, bleibt unklar, aber wir bezahlen nicht und versprechen, gleich und sofort, uns eine solche Genehmigung zu kaufen. Ein weiterer Deutscher, der morgens gekommen ist um zu baden, hatte die Geduld nicht und hat bezahlt. Allerdings nur 100 Lei, statt der 150 geforderten. Der hat sich noch ne Quittung geben lassen und setzt das Ganze in der Spesenrechnung mit ab.

Weiter geht es die Küste hoch. Wir möchten die älteste bekannte Siedlungsstelle ansteuern, die es in Rumänien gibt. Dazu nehmen wir natürlich nicht die Hauptstraße, sondern suchen uns den Weg über Nebenstraßen an der Küste entlang. Das Unterfangen wird wieder zum Off Road Abenteuer. Alles nicht schlimm, aber wir fahren letztlich mitten durch die Prärie. Diese ist durchsetzt von Feldwegen, die mal nach rechts, mal nach links abzweigen, aber irgendwie alle wieder im gleichen Nichts enden. Nach einigen Fehlversuchen, den richtigen Pfad zu finden und einer Überquerung eines Wasserloches, das dann leichter zu passieren war, als wir dachten, fahren wir dann doch zur Straße zurück. Hier geht der Weg einfach nicht weiter.

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Die angesteuerte Griechensiedlung ist recht spannend aber auch schnell durchlaufen. Anschließend noch eingekauft und dann festgestellt, dass die Verkaufsstelle für die Aufenthaltsgenehmigung für den Aufenthalt im Biosphären Reservat Donau Delta, in der 90 Km entfernten Stadt Tulcea, heute geschlossen hat. Morgen um 8 wieder.

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Wir finden einen Übernachtungsplatz auf einem Berg, nur 13 Km von der Stadt entfernt. Der Besitzer des Landes, auf dem wir stehen, kommt zufällig vorbei und ist sichtlich amüsiert. Was wir denn hier machen, will er wissen. Na Übernachten und vorher noch den Ausblick auf das Delta genießen. Er kann es kaum fassen, lacht und lässt uns wie selbstverständlich gewähren.

Alles, was wir um uns herum sehen, ist sein Land. Er ist Sudanese, hatte hier in Rumänien studiert und ist, nach der Revolution wie er sagte, hier geblieben. Offensichtlich mit Erfolg.

Noch Abendessen und die neu gekaufte Flasche Wein genießen und ab ins Bett. Der Tag hat früh geendet.

24.07.2011

Um kurz vor 7 fahren Traktoren durch unser „Schlafzimmer“. Die Fahrer winken freundlich und versuchen, durch langsam fahren, möglichst wenig Staub auf zu wirbeln. Trotzdem machen die natürlich einen Heiden Lärm und die Nacht ist schlagartig vorbei.

Wir eilen noch mal nach Tulcea, um doch noch das Papier zu kaufen, das uns die Einfahrt ins Delta erlaubt. Geht aber nicht, es ist Sonntag, alles hat zu. Sogar die Touristen Info. Die Menschen hier sind deutlich unfreundlicher und genervter, als wir es bis jetzt aus Rumänien gewohnt sind. Die Dame am Lotto Schalter beharrt völlig genervt darauf, dass Sie doch das Lottogeschäft betreibt und keine weiteren Fragen beantwortet. Selbst der Einwand des Rumänen, der unser Anliegen offensichtlich verstanden hat und vermitteln will, hilft nicht. Die Frau ist Lotto und sonst nix. Ähnliche Begebenheiten wiederholen sich in der Stadt, sind aber sofort Geschichte, als wir die Stadt verlassen. Die Landbewohner sind gleich wieder so nett, wie wir es bis jetzt auf der gesamten Reise erleben durften.

Etwas ziellos, da immer noch ohne Genehmigung für das Delta, fahren wir in Richtung Osten. Mein Navi zeigt eine Fähre an, ich biege links ab und wir finden uns auf einer Donaufähre wieder, die in Deutschland sicherlich keine Betriebserlaubnis bekommen hätte. Die schwimmt und fährt aber prima, kostet 22 Lei (5,30 €) und bringt uns ins Delta.

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Vor uns ein Feldweg, übersäht mit Schlaglöchern, die teilweise mit Wasser gefüllt sind. Es gibt so viele gute Straßen in Rumänien, wir müssen uns aber natürlich immer die Schlechtesten aussuchen, sonst macht´s ja keinen Spaß.

Über 2 Stunden lang reiten wir die Wellen ab. Riads Zweifüßler hält locker mit, auch wenn die ein oder andere Passage, ein etwas tieferes Geläuf darstellt.

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Wir haben noch Gelegenheit einem Rumänen zu helfen, der versucht, mit einem Renault, einen Jet Sky aus der Donau zu ziehen. Der Renault ist völlig überfordert und dreht vorn einfach nur durch. Flöckchen, statt Renault vorn angespannt, erledigt den Job derart souverän, dass ich selbst überrascht bin. Ich beherrsche das 400 Kg Teil hinter mir nach belieben. Nicht mal ein Rad dreht durch. Scheinbar kann ein hohes Eigengewicht manchmal auch recht hilfreich sein.

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Das Delta zeigt sich hier noch nicht als Flussdelta, sondern mehr als Insekten-Tummelplatz mit viel Landwirtschaft. Ab und an mal ein Dorf am Donaukanal. Wenig wilde Tiere, meist nur Nutzvieh. Um 16 Uhr wird es mir zu heikel. Nicht, dass die Strecke zu schlecht werden würde, aber uns rennt die Zeit davon. Es ist gerade mal ein Viertel der Strecke bis ans Meer geschafft. Wenn das so weiter geht, brauchen wir noch mal 4 bis 6 Stunden. Also muss im Delta übernachtet werden. Das möchte ich auf keinen Fall, weil hier wirklich alles verseucht ist von Mücken, Pferdebremsen und anderen fliegenden und stechendem Getier.

Auch wenn es schade ist, den Weg nicht bis zum Ende versucht zu haben, wir kehren um. Ich bin heilfroh, nicht hier nächtigen zu müssen.

Unser Nachtlager liegt wieder auf einem Berg, wo abends dann auch wieder Mückenschwärme auf uns los gehen. Was hätten wir dann im Delta erleben müssen, an Insekten Attacken?

Am nächsten Morgen
Ich schlafe bestimmt noch
Blick aus das Delta

25.07.2011

Wir trennen uns wieder. Ich muss zurück nach Hause. Die Reisegeschwindigkeit in Rumänien beträgt im Durchschnitt maximal 50 Km pro Stunde. Schneller geht einfach nicht. Einzige Ausnahme, die beiden Autobahnen, die es um Bukarest gibt. Sonst ist halt alles Landstraße. Ich verabschiede mich von Katharina, Riad und den Kindern und begebe mich in Richtung Nord Westen. Rechts das Delta, links die Ebene. Die Hauptstraßen sind wie gewohnt gut und ich komme zügig voran. Das Fahren macht hier noch Spaß. Auf der Fähre über die Donau, bei Galati, treffe ich eine Familie aus Magdeburg. Die sind mit 3 großen Kindern unterwegs, in einem großen Wohnmobil. Seit Jahren fahren die immer wieder durch Rumänien und machen dann auch eine Woche Strandurlaub am Schwarzen Meer. Dieses mal kurz hinter der Grenze auf der bulgarischen Seite. Rumänien ist halt ein sehr gutes Pflaster für Familienurlaub.

Nach der Donau macht das Fahren dann immer weniger Spaß. Die Straßen sind zwar immer noch sehr gut, aber dieser Teil von Rumänien ist sehr dicht besiedelt. Der Verkehr nimmt stark zu, die Ortschaften muten riesig an.

Typisch für Rumänien sind die Orte, die 10, 20 oder 30 Km lang sind, aber nur 2 bis 4 Häuser breit. Dann sind die Häuser alle mit einem Zaun oder einer Mauer eingefasst, so dass sich bei mir eine Art Tunneleffekt einstellt. Die endlos erscheinenden Zaunreihen zur Straße hin, machen mich kirre. Nur weiter in die Berge. Noch irgendwie durch Piatra Neamt gequält und der Tag ist vorbei. 350 Km geschafft. Um 11 Uhr morgens gestartet, jetzt ist es 20 Uhr durch und das Ganze mit nur ein paar kurzen Stopps. Ich fahre noch die 30 Km nach Bicaz in die Karpaten.

Dort angekommen, fällt mir ein T3 mit Schweizer Kennzeichen auf. Das Pärchen darin sucht offensichtlich auch einen Schlafplatz. Ich spreche sie an und wir fahren gemeinsam in Richtung eines kleinen Natur Reservates. Am Schild zum Eingang dieses Reservates steige ich aus und will schauen, ob es da so etwas wie ein Verbot gibt, da werde ich von einem Belgier angesprochen. „Wenn Ihr einen Schlafplatz sucht, ihr steht genau davor.“ Hinter einem kleinen Tor ist eine Wiese. Auf der kann man, für 10 Lei, übernachten. Ein Klo gibt es auch und frisches Wasser, kommt aus einer Quelle. Hier bleiben wir. Diesmal ist der Schlafplatz zu uns gekommen. Beim gemeinsamen Essen werden Erfahrungen ausgetauscht. Auch von Schweizer Seite her nur Positives über Rumänien.

26.07.2011

Da ich ja jetzt quasi alleine bin, kann ich ja morgens früher los, denk ich mir. Falsch gedacht. Heute komme ich nicht wie sonst, erst um 11 Uhr los, sondern erst um 12. Ich habe noch mit den Schweizern gefrühstückt und gequatscht. Dabei erzählen die, wie schön das Land ist, aber leider doch auch so dreckig. Ich verstehe erst nicht, empfinde ich Rumänien doch als sehr sauber. In allen Städten, in denen ich war, sind ständig Putzkolonnen zu sehen. Auch in Bukarest, das ich eher für hässlich halte. So furchtbar die Bauten sind, davor liegt kein Abfall, kein Schmutz. Die Sache klärt sich, als Sie mir Ihre Reiseroute aufzeigen. Die Beiden sind um Baia Mare herum gefahren. Eine Stadt im Norden Rumäniens. Der Norden soll das Armenhaus Rumäniens sein und speziell die Stadt Baia Mare war bis 2005, die dreckigste Stadt Europas. Da schillern wohl noch heute riesige Halden von Abraum und Dreck, in blauen und allen anderen Regenbogenfarben. Die Flüsse sind angefüllt mit PET Flaschen, die riesige Flöße bilden sollen. Die Beiden sind beruhigt, als ich Ihnen sage, dass dies im Rest von Rumänien nicht der Fall ist. Es gibt zwar auf dem Land und da wo viele Touris unterwegs sind, kleinere Müllansammlungen, aber bestimmt nicht in dem geschilderten Ausmaß.

Mein Weg führt mich noch einmal ein Stück nach Norden. Da gibt es Klöster und Kirchen zu besichtigen. Vor allem aber auch eine Straße, die angeblicz nur von Allradfahrzeugen befahren werden kann. Die Schweizer wurden weggeschickt, als Sie da lang wollten, mit Ihren Zweifüßigen T3. Allrad hab ich, das muss ich probieren. Ich fahre durch wunderschöne Landschaften und finde die Straße sofort. Der Anstieg auf dieser Seite des Passes soll noch gehen. Und er geht, ist aber sehr spannend. Eine sehr schmale Straße im Hang, die sich teils durch Dörfer, teils durch Wald in die Höhe schraubt. Felsüberhänge und Spitzkehren machen die Sache spannend und das einsetzende Gewitter tut auch seinen Teil dazu. Bis hier kein Problem. Ober angekommen, fächert sich die Straße auf. Ich nehme erst mal den falschen Weg und treffe auf eine Familie, die gerade unter der Heckklappe Ihres T4s, in strömenden Regen, beim Mittagessen ist. Nach dem richtigen Weg gefragt, sagt man mit wieder, nur mit 4X4 zu befahren. „Ich hab 4X4“, erwidere ich. Ungläubig mustert der Gefragte mein Auto. Nein, mein Radstand sei zu groß, das geht auf keinen Fall.

Mittagspause am Fluß
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Artig bedanke ich mich, lehne noch schnell die Einladung zum Mittagessen ab und fahre selbst verständlich den verbotenen, nur für Geländewagen möglichen Weg. Die jetzt noch schmalere Straße, ist immer wieder aufgebrochen, unterspült, stufig und mit Schlaglöchern übersäht. Aber alles nix, was mir jetzt richtig Sorgen macht. Auf halber Strecke mach ich kurz Pinkelpause, da überholt mich ein Matiz (Kleinstwagen von Chevrolet). Ich warte noch ne viertel Stunde, der kommt nicht wieder. Entweder der hats geschafft, oder er liegt jetzt im Hang. Als ich wieder losfahre, brauche ich keine 5 Minuten, da hab ich den Matiz eingeholt. Ganz langsam, quält er sich den Berg runter. 3 der 4 Insassen müssen immer wieder aussteigen, damit das quietschgelbe Blechei etwas mehr Bodenfreiheit bekommt, aber letztendlich schafft der die Strecke auch.

eine Offizielle Passstraße
Ein Matiz auf Abwegen, und er schafft es doch
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So viel zum Thema: „Rumänien nur Syncro“

Die Klöster und Kirchen finde ich zwar, aber weil es immer noch stark regnet und ich auch wieder spät dran bin, fahre ich gleich weiter Richtung Westen.

27.07.2011

2 Kekse und ein halber Liter O-Saft ist mein Frühstück. Das Geschirr vom Abendessen hab ich schon gestern gespült und auch sonst alles fertig. So schaffe ich es tatsächlich mal, schon um 8 Uhr auf der Straße zu sein.

Ich suche mir die kürzeste Verbindung Richtung Stei, die ich finden kann. In der Nähe von Stei, gibt es eine Bärenhöhle, die zu besichtigen ist. In ihr wurden 1970 sehr viel Bärenskelette gefunden, die sich dort, über die Jahrhunderte angesammelt haben. Auch sonst soll die Höhle super sein.

Kürzester Weg, heißt in Rumänien immer auch, eine große Chance auf Offroad Fahrten. Und die bekomme ich. Ich verirre mich in einer Berglandschaft und darf längere Schlammpassagen bewältigen. Meine Säge kommt auch wieder zum Einsatz, ein junger Baum liegt quer über der Fahrbahn. Flöckchen setzt auch einmal hart auf, ich kann aber keine Beschädigungen feststellen. Ist wohl der Aggregateträger gewesen. Glück gehabt.

Mittagspause am Fluß
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Da oben in der Wildnis sehe ich dann auch zum ersten Mal echte Armut in Rumänien. Angekündigt wird die Szenerie durch ein etwa 2 bis 3 jähriges Mädchen, das plötzlich vor mir auftaucht. Ich störe sie, wie sie mitten auf den Weg pinkelt. Eilig zieht sie sich wieder an und rennt davon. Hinter der nächsten Kurve dann eine Art Dorf. Die Hütten sind aus Abfallholz zusammen gezimmert und mit groben Plastikplanen wasserdicht gemacht worden. Von den fensterlosen Verschlägen sehe ich vielleicht 20 oder 25 Stück. Dazwischen Pferde und viele Roma, die schmutzig und verlummpt ihrem Tagwerk nachgehen. Ein Mann grüßt überrascht das weiße große Auto, das da aus dem Wald kommt. Ich grüße zurück und bin auch schon vorbei. Im Wald verstecken die sich also. Auf meiner gesamten Fahr, habe ich, bis auf ein paar professionell bettelnder Kinder in Konstansa, keine derart armen Menschen gesehen.

Als ich nach Stunden, den richtigen Weg gefunden habe, jetzt wieder auf so etwas wie eine Hauptstraße, komme ich in meine erste rumänische Polizeikontrolle. Das Polizeiauto fährt direkt vor mir auf die Straße. Er hatte offensichtlich einen MB100 angehalten gehabt und die Kontrolle gerade beendet. Er sieht mich im Rückspiegel, macht seine Kirmesbeleuchtung auf dem Dach an und deutet mir, ich solle stehen bleiben. Siegessicher steigt der beleibte Beamte aus und kommt auf mich zu. Ich kurbele das Fenster runter und schmettere dem Mann ein freundliches, „Schönen guten Tag der Herr, was liegt an“ entgegen. Auf Deutsch natürlich. Die Siegessicherheit des Mannes weicht schlagartig aus Ihm und wird durch Verwirrung ersetzt. Der Gesichtsausdruck, wie kurz vor einer Darmspiegelung, verrät ihn. Leise vor sich her brabbelnd, erkennt er mit einer Geste, mein Kennzeichen. Der Gesichtsausdruck wechselt von Verwirrung auf „keinen Bock mehr auf Kontrolle“ und er winkt mir, ich solle weiter fahren. Das ganze hat keine 10 Sekunden gedauert. Uns so viel dann zum Thema: „die rumänische Polizei zockt dich ab, wo sie kann.“

Abends stelle ich mich an der Bärenhöhle auf den Übernachtungsplatz, den mir das Schweizer Pärchen im T3 empfohlen hat. Dort steht, ein anderer T3 aus der Schweiz, in dem ein anderes Pärchen unterwegs ist. Es scheint da einen gewissen Anziehungseffekt zu geben. Wir kommen ins Gespräch und haben einen netten Abend.

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28.07.2011

Wir besichtigen zu dritt die Bärenhöhle und die ist wirklich fantastisch. Allein die durchgehende Höhe beeindruckt mich schon. Eine andere Teilnehmerin der Führung versucht freundlichst, das was der Führer in Rumänisch sagt, auf Englisch zu übersetzen. Die Dinge die sie übersetzen kann, zeigen das typische Muster. „Das hier sieht aus wie eine Blume, das wie ein tagendes Parlament, das hier, wie der Teil einer Frau, an den die Männer immer dran wollen.“ Ich setze mich ab wo ich nur kann und mache Bilder.

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Nach der Höhlenbesichtigung mache ich mich auf, zurück nach Hause. In Oradea gebe ich noch schnell die letzten Lei aus, vollgetankt hatte ich gestern schon, das reicht bis Köln. Und so fahre ich in einem Rutsch durch Ungarn, ohne einen Fuß auf das Land zu setzen. Als ich so gegen 20 Uhr die Grenze zu Österreich passiere, bemerke ich, das ich vergessen habe, für Ungarn eine E-Vignette zu lösen. Na ja, mal schauen, ob was kommt.

Kurz darauf bin ich in Wien und mir fällt natürlich sofort das große Schild ins Auge, das vor Radarkontrollen warnt. Natürlich steht das, 100 Meter hinter der Radarkontrolle, sonst würde es ja Sinn machen. In Salzburg gibt es auch so ein tolles Schild. Ober ein großes „Parkplatz“ Symbol und darunter, in kleiner Schrift: „Auf dem gesamten Parkplatz ist parken verboten“. Da hab ich mal ein Knöllchen bezahlt. So ist es, das Bergvolk.

Ich gehe, in Wien erst mal in eine Sauna, um mich mal wieder richtig waschen zu können. Seit Brasov hatte ich nur die Duschmöglichkeit an meinem Bus, also die erste richtige Dusche, seit 2 Wochen. Draußen regnet es bei 16°. Heute morgen war es noch etwas bewölkt und 29°.

29. - 31.07.2011

Über Salzburg, München, Stuttgart geht es zurück nach Köln. Ich mache noch Verwandten-Besuche, bin auf einen Geburtstag eingeladen und schau auch noch bei einem Bekannten vorbei.

Ich habe mir den Spaß erlaubt, mal mit zu zählen, wie viele Polizeikontrollen ich unterwegs gesehen habe. In 3 Wochen und fast 5500 Km in Rumänien: 6 Kontrollen, davon 3 Geschwindigkeit, 2 wo die Polizisten, wahllos Autos aus fließendem Verkehr geholt haben und die lächerliche beinahe Kontrolle, die mich gestoppt hat. Die Sache im Donaudelta war nicht die Polizei, sondern Parkwächter. Nur beim Durchqueren von Ungarn: 5 Geschwindigkeitskontrollen. Nur beim Durchqueren von Österreich auf der Rückfahrt (auf der A1): 15 Geschwindigkeitskontrollen und eine 100% Kontrolle für LKW auf der Autobahn. In der ersten Woche in Deutschland: (Strecke Salzburg über München, Stuttgart, Köln, Hamburg, Hannover, Köln, Frankfurt, Stuttgart und zurück nach Köln) Ich habe über 20 Blitzer gesehen. Einer hat ein Foto von mir gemacht. In Stuttgart verdienen die Stadtväter Ihr Geld dadurch, das auf einer 70 Km/h Strecke, ein Schild mit 50 aufgestellt wird, kurz danach die Radarfalle steht und dann wieder 70 erlaubt ist.

Und da sag mir noch mal einer, dass wir nicht in einem Polizeistaat leben. Auch einen herzlichen Glückwunsch an alle Österreicher und die, die da Urlaub machen.


25.03.2016

Heute habe ich mir meinen eigenen Bericht noch einmal durchgelesen. Viel ist passiert in den letzten Jahren und ich war auch wieder in Rumänien und den Balkan Staaten unterwegs. Rückblickend muss ich sagen, dieser Urlaub 2011 war ein ganz besonderer und hat mich zum Rumänien Fan werden lassen. Auch Riad und Katharina sprechen heute noch gern und begeistert von dieser Reise. Andere aus dem T4 Forum haben sich dieses Reisetagebuch ebenfalls durchgelesen, haben mir Fragen dazu gestellt und sind anschließend selbst nach Rumänien gefahren. Nach Ihrer Rückkehr habe ich eine Dankesnachricht bekommen und die Bestätigung, "alles war so wie beschrieben".

Es lohnt sich immer die eigenen und fremden Gedanken, "wie es den in der Fremde so sein wird", hinter sich zu lassen und einfach los zu fahren. Die Chancen positiv überrascht zu werden sind groß und die Erlebnisse die man macht kann einem keiner mehr nehmen.